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Histaminintoleranzsyndrom (HIS) und Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS)

Fragen zum Thema

Was ist eine Histaminintoleranz?


Das Histaminintoleranzsyndrom (HIS) ist ein unscharf definiertes Krankheitsbild. Nach Schätzungen leiden hieran in Europa 1-4% aller Menschen, meistens Frauen über 40 Jahre. Die typische Symptomatik wird mit Auftreten von „Flush“ (Rötung im Hals und Gesichtsbereich), Hautausschlägen (Urtikaria), Durchfall, Bauchscherzen, Müdigkeit, Atembeschwerden und vielen anderen Symptomen beschrieben und tritt häufig nach Genuss bestimmter histaminreicher Lebensmittel auf.

Wie kann eine Histaminintoleranz festgestellt werden?


Zur Diagnose steht kein zweifelsfrei bewiesener Laborparameter zur Verfügung. Typische Beschwerden und Besserung unter einer Auslassdiät sowie Verschlechterung nach Wiedereinführung histaminreicher Lebensmittel können die Diagnose vermuten lassen. Ein Hauttest (Prick Test) und die Bestimmung der Enzyme DAO- und HNMT - Konzentration können die Diagnose erhärten sind jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig bewiesen. Die Diagnose der Histamin-Intoleranz muss daher als eine Ausschlussdiagnose und Verdachtsdiagnose gestellt werden. Wir führen die entsprechenden Tests nur in speziellen Fällen durch. Einen Hinweis kann unser Fragebogen geben: Link zum Histaminfragebogen

Ist es wirklich eine Histaminintoleranz?


Im Magendarmtrakt gibt es Hinweise dass Überlappungen zum Reizdarmsyndrom (IBS) bestehen und Medikamente wie Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren einen günstigen Einfluss bei einigen Patienten mit dieser Erkrankung haben können. Weiterhin müssen „echte“ Allergien ausgeschlossen werden.

Wir gehen vom Vorliegen einer Histaminintoleranz aus wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  1. Andere Ursachen konnten ausgeschlossen werden oder vermögen nicht die gesamte Symptomatik zu erklären.
  2. Es finden sich mindestens zwei mutmassliche Histaminsymptome (Flush, Übelkeit/Erbrechen, Juckreiz, Rhinitis, Luftnot, Schwindel, schneller Herzschlag, Blutdruckabfall) die eine thera-peutische Intervention erfordern (Ernährungs- und Beschwerdeprotokoll)
  3. Es findet sich eine deutliche Besserung der Beschwerden unter einer Hist¬amin-Auslassdiät. Wenn möglich sollte eine Re-Exposition/Provokation mit Histamin durchgeführt werden.
  4. Es findet sich eine Besserung durch H1- und H2-Antihistaminika (Histaminrezeptorantagonisten) in Kombnation.

Gibt es noch andere Möglichkeiten der Diagnose?

In speziellen Fällen kann es sinnvoll seine eine Magen- und Darmspiegelung mit Bestimmung der Mastzellen aus Gewebeproben durchzuführen.

Was ist ein Mastzellaktivierungssyndrom?

Als erst kurz bekannte Erkrankung wird das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAD) definiert: Es besteht eine Art Überaktivität der Mastzellen (diese Zellen schütten Histamin aus). Auch hier sind die diagnostischen Tests schwierig. Es kann versucht werden durch bestimmte Blutwerte Hinweise für das Vorliegen dieser Erkrankung zu erhalten (z.B.Serumtryptase). Aber auch hier sind die individuellen Beschwerden der wichtigste Hinweis. Siehe hierzu auch die sehr ausführliche Webseite unserer Partner: www.histaminintoleranz.ch und www.mastzellaktivierung.info.

Welche Lebensmittel enthalten viel Histamin?

Histamin ist vor allem in «gereiften» Lebensmitteln wie reifem Käse oder nicht mehr ganz frischem Fisch (z.B. Thunfisch) enthalten (fangfrischer Fisch enthält kein Histamin). 

Fleisch: Wurstwaren, gepökelte Waren, Bratwurst, Cervelat, Mettwurst, Aufschnitt, Salami, Bündnerfleisch, Rohschinken, Schinken, Räucherschinken, Landjäger etc

Fisch: Thunfisch, Makrele, Sardinen, Sardellen (besonders als Konserve und Räucherfisch), Hering, Krustentiere: Krebs, Scampi, Hummer usw.

Käse: alle gereiften Käse, Cheddar, Emmentaler, Gruyère, Parmesan, Sbrinz, Tilsiter

Gemüse: Sauerkraut, Spinat, Tomaten, Auberginen, Pilze: Steinpilze, Morcheln

Früchte: Erdbeeren, Zitrusfrüchte

Getränke: Rotwein, Weisswein, Bier

Was kann ich dann überhaupt noch essen?

Fleisch: Frisches oder tiefgekühltes Fleisch und Geflügel wie Plätzli, Koteletten, Geschnetzeltes, Gehacktes, Filet etc. 

Fisch: Frische oder tiefgekühlte Fische wie z.B. Dorsch, Forellen etc. 

Milchprodukte: Frischkäse, z.B. Hüttenkäse, Quark und andere Milchprodukte wie Milch, Joghurt und Rahm 

Gemüse: Alle anderen Gemüse, frisch oder tiefgekühlt.

Gibt es andere Histaminähnliche Stoffe welche ähnliche Beschwerden auslösen können?

Sogenannte «biogene Amine» können ähnliche Beschwerden auslösen wie Histamin. Hierzu gehören z.B. Tyramin und Phenylethylamin (in Käse, Schokolade, Rotwein, Wurst, Hering, Sardellen, Leber, Sauerkraut, Himbeeren, Avocado, Bohnen) und Serotonin (in Bananen, Ananas, Walnüsse, Tomaten, Pflaumen, Avocado) sowie Putrescin, Cadaverin, Spermidin und Spermin (in fermentierten Produkte und (schweren) Rotweinen.

Welche Medikamente sollte ich bei Histaminintoleranz meiden?

Insbesondere Jodhaltige Mittel z.B. Kontrastmittel in der Röntgendiagnostik können zu Symptomen der Histaminintoleranz führen. Es sollte daher vor solchen Untersuchungen mit dem jeweiligen Arzt besprochen werden ob evtl. die Gabe von Antihistaminika vor der Untersuchung sinnvoll ist. 

Weiterhin sind Schmerzmittel wie z.b. Morphium, Pethidin, ASS, NSAID u.a. , Antibiotika wie z.B. Augmentin, Zinnat, Resochin u.a., Antidepressiva wie z.B. Amitriptylin, Saroten u.a., Antihypertensiva wie z.B. Verapamil, Diuretika, Lokalanästhetika, Narkotika wie z.B. Thiopental, und Zytostatika wie z.B. Cyclophosphamid und andere Medikamente mögliche Auslöser von Symptomen der Histaminintoleranz und/oder des Mastzellaktivierungssyndroms. Sprechen Sie dies im Einzelfall mit uns oder Ihrem betreuenden Arzt ab. 

Gibt es eine Therapie?

Sollte sich der Verdacht auf eine Histaminintoleranz oder ein Mastzellaktivierungssyndrom bei Ihnen erhärten empfehlen wir in der Regel über eine qualifizierte Ernährungsberatung einen Histaminauslassversuch und allenfalls eine Wiedereinführung zur Diagnosestellung durchzuführen. Dies ist häufig sehr aufwendig da Histamin in sehr vielen Lebensmitteln enthalten ist und erfordert meist einer langwierigen Analyse und Umstellung der Ernährung. 

Die Therapie besteht somit v.a. aus einer Auslassdiät histaminreicher Lebensmittel und der Vermeidung der verschiedenen Cofaktoren. Hierzu gehören auch eine grosse Zahl von Medikamenten (Antibiotika u.a.), siehe oben. Meist empfehlen wir auch die Gabe von Medikamenten (Antihistaminika, Mastzellstabilisatoren) oder die Gabe des mangelnden Enzym (DAO-Substitution). 

Verbindung mit anderen Intoleranzen

Häufig können bei Vorliegen einer Fruktose- oder Laktoseintoleranz Beschwerden im Sinne einer Histaminintoleranz auftreten. Es ist daher sinnvoll diese beiden Intoleranzen z.B. mit einem Atemtest abzuklären (kontaktieren Sie uns diesbezüglich für einen Atemtest). Auch sollte immer eine Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit) ausgeschlossen werden. Durch die Therapie dieser Intoleranzen mit einer Ernährungsumstellung treten diese Beschwerden nicht mehr auf. Es ist noch unvollständig verstanden warum dies so ist.

Vereinbaren Sie einen Termin mit uns falls Sie denken es könnte eine Intoleranz bei Ihnen vorliegen. Bringen Sie hierzu bitte immer alle früheren Abklärungen (Labor Blutwerte, Endoskopieberichte, Histologieberichte, Berichte von Spitalaufenthalten u.a.) mit. Dies erleichtert uns die Diagnose und vermeidet Doppelspurigkeiten in der Abklärung. Füllen Sie wenn möglich auch unsere Fragebögen (LINK Fragebogen Histaminintoleranz) aus und bringen ihn mit.

Für weitergehende Informationen lesen Sie auch die Publikation aus unserer Praxis im Swiss medical Forum: Gastrointestinale und andere Beschwerden bei Histaminintoleranzsyndrom(HIS)und Mastzellaktivierungssyndrom(MCAS) (link)